Die Wahrnehmung von Frauen

Dieser Tage liest man viel über Frauenquoten. Warum sie gut wären, warum sie schlecht wären. Dazu kommen dann Meldungen über Frauen wie Marissa Mayer, die als CEO von Google zu Yahoo wechselt und dabei hoch schwanger ist oder Cécile Duflot, Abgeordnete im französischen Parlament, die mit einer Kleid-Affäre von sich reden macht, weil ihre männlichen Parlamentskollegen offensichtlich noch nie eine Frau in einem Sommerkleid gesehen haben und anzügliche Pfiffe und “Ahs” und “Ohs” (hier muss ich mir immer vorstellen wie Louis de Funès “ah” und “oh” macht. Wer noch? ;)) von sich geben mussten.

 

Bei Marissa Mayer findet sich auf derstandard.at sofort ein Kommentar unter dem Artikel, dass das arme Kind sicher gleich an Tagesmütter abgegeben wird. Was für eine schreckliche Kindheit! Dass bei dem Gehalt von Frau Mayer (aber auch selbst ohne dem) vielleicht auch ihr Mann sich vermehrt um das Kind kümmern könnte, scheint gar nicht in die Gedankenwelt zu passen. Frau mit Kind und Karriere = schlechte Mutter und schlechte Kindheit! Die Väter brauchen sich nie ein schlechtes Gewissen einreden lassen. Dabei habe ich derzeit sehr viele junge gute Mütter in meinem näheren Umfeld, wovon einige ebenfalls nicht auf die Karriere verzichten wollen. Und ich möchte das – sollte ich jemals Kinder haben – auch nicht. Da muss man sich dann schon als Rabenmutter abstempeln lassen. Ich finde es von Yahoo und Mayer großartig, dass sie sich hier nicht in Rollenklischees verrennen, sondern im Gegenteil, neue Möglichkeiten fördern.

 

Apropos Baby. Vor kurzem habe ich “zufällig” eine Society Sendung gesehen…ok…ich geb’s zu, ich schaue so etwas regelmäßig. :) Darin ginge es um die wunderbare Wandlung von Promis. Ein Beispiel war Playboy Flavio Briatore, der mit über 60 jetzt endlich sesshaft wird und mit einer deutlich jüngeren Frau ein Baby gezeugt hat. Ohhhh! Wie süss! Das hat er aber gut gemacht! Dann wird Gianna Nannini gezeigt, die ja jetzt so glücklich ist, weil sie nun Mama ist, auch wenn sie sehr dafür kritisiert wurde, mit über 50 ein Kind zu bekommen.
What?? Flavio darf unkritisiert mit über 60 ein Kind bekommen, Gianna muss sich für ein Baby mit über 50 rechtfertigen?

 

 

Ich war in meiner Erziehung eher dazu angehalten den Rollenbildern zu entsprechen. Und dann auch wieder nicht. Wer putzt, kocht und kümmert sich um die Kinder? Die Frau! Dagegen habe ich rebelliert und kochen und putzen völlig für mich auf das notwendigste reduziert. Gleichzeitig durfte es auch nicht zu feminin sein. Schminken und High Heels wurde nicht immer gerne gesehen und Studium für eine gute Karriere musste sein. Ich habe für mich einen Mittelweg gefunden. Ich mache gerne Karriere, spiele gern Poker, kann meine Computerprobleme selbst lösen, fahre gerne schnell mit Autos, kann einparken, repariere Dinge selbst, töte Insekteneindringlinge, trinke gerne Bier, kann beim Paintball einstecken und austeilen, rümpfe nicht die Nase, wenn neben mir gefurzt wird (außer es lässt sich ob des Gestanks nicht vermeiden), mag aber trotzdem Kinder sehr, kleide mich feminin, liebe Cocktails, verwöhne gerne meinen Mann, lasse mir auch gerne die Tür aufhalten.

 

Eigentlich kann man jetzt sehr lange noch darüber schreiben, warum ich oben genanntes nicht gut finde und wie ich mich als Frau definiere. Hierzu nur kurz: Man kann Vorurteile durchaus auch gut für sich nutzen, generell ziehe ich es aber vor ihnen nicht entsprechen ohne dabei künstlich auf Mann machen zu müssen.
Ja, hier gäbe es viel dazu zu sagen. Aber wer mag schon so viel lesen. Wichtiger ist es aus meiner Sicht, diese Dinge aufzuzeigen ebenso wie positive Beispiele. Wenn Dinge gesehen werden, können neue Weltbilder entstehen. Was meint ihr?

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2 Kommentare

  1. Ich glaube der Grund, warum viele so empört sind, wenn eine Frau so spät ein Kind bekommt, ist ein ganz natürlicher: Das Risiko einer solchen Schwangerschaft ist schon ziemlich groß und ich halte das persönlich für etwas fahrlässig. Natürlich darf jeder machen, was er will, aber ich finde es immer etwas komisch, wenn Frauen über 40 Kinder bekommen. Mir wäre das viel zu riskant. Just my two cents.

  2. ich hab die aufregung um marissa mayer auch nicht verstanden. denke, dass da viel neid dabei ist und unverständnis für situationen, die eben nicht dem “normalzustand” entsprechen. ich für meinen teil, würde es nicht aushalten 1-2 jahre in karenz zu sein und freu mich, dass ich neben dem baby auch noch an coolen projekten arbeiten kann. go marissa!

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