Heinz Fischer for President?

Letzte Woche fand die Auftaktveranstaltung zu Heinz Fischers Kandidatur für das österreichische Präsidentschaftsamt statt. Dazu wurden auch Blogger eingeladen. Als man bemerkte, dass man hauptsächlich männliche Blogger in der Blogroll auf heifi2010.at und als Gäste hatte, gab es einen Aufruf für weibliche Bloggerinnen doch auch dabei zu sein. Ein Aufruf, der mir im ersten Moment egal war, denn 1. wollte ich nie zur österreichischen Politik bloggen und 2. wird man bei Besuch solcher Veranstaltungen sehr schnell darauf reduziert für alles dort Gesagte oder Getane zu sein. Aber soziale Beziehungen bedeuten dann doch mehr als anfängliche Bedenken und so konnte ich die persönliche Bitte, die an mich herangetragen wurde, dann doch nicht abschlagen. Und hey, vielleicht kommt ja was Interessantes dabei raus, dacht ich mir!

Go heifi!

Was kann ich euch nun davon berichten? Im Großen und Ganzen decken sich meine Eindrücke mit denen von der lieben Veronika. Der offizielle Teil im MAK war, nun ja, ein bißl fad für meine Wenigkeit, mit einer Brise Peinlichkeit. Ein Obama ist der heifi ja nicht gerade. Dass sich beim Einzug des Kandidaten die Journalistenmeute vor ihn wirft und kaum ein Durchkommen ist, wirkte eigenartig. Mir wäre ein weltmännischer Einzug mit Gattin lieber gewesen, wo vom Rand aus, die Journalisten ihre Bilder machen können. Inhaltlich setzt man auf Werte wie Gerechtigkeit. Aber eigentlich bleibt mir, insbesondere von der Rede des Bundeskanzlers Faymann, nur die sich immer und immer wiederholende Betonung auf die hohe Beliebtheit des Heinz Fischers in Erinnerung. “Er ist so beliebt, da hat er sicher alles richtig gemacht in den letzten 6 Jahren und das wird auch in einer weiteren Amtszeit so sein”, scheint mir die Schlussfolgerung der meisten Wortmeldungen zu sein.

Ich frage mich ja schon länger, wozu Österreich einen Präsidenten eigentlich braucht. Die theoretische Macht tatsächlich einzusetzen ist ja eigentlich ein No-Go. Hugo Portisch sieht das sogar an diesem Abend positiv und meint, dass die Rute im Fenster viel wichtiger ist. Naja, dem kann ich mich nicht ganz anschließen. Dennoch braucht eine Familie ein Oberhaupt – egal ob männlich oder weiblich. Und der Heinz, der ist schon so eine Vaterfigur. So ein gemütlicher. Fast eher eine Großvaterfigur. Daher gönne ich ihm – auch aus rein irrationalen Gründen – das Präsidentenamt. Hinzu kommt jedoch noch, dass die diesjährige Gegenkandidatin Barbara Rosenkranz, für mich absolut nicht wählbar ist. Darum hat der Heifi auch meine Unterstützung.

Übrigens, bei der Rosenkranz wird immer stark von den Sympathisanten thematisiert, dass sie ja so eine gute Mutter ist und dazu noch so erfolgreich. Hmm…wann ist so etwas jemals bei einem Mann wirklich relevant?

Hinein ins Politgetümmel

Ich war dann auch noch am Badeschiff, wo es eine heifi2010 Auftaktparty gab. Ich muss ja sagen, dass mir die Jugendkampagne ganz gut gefällt und auch die extra Webseite heifi2010.at finde ich recht gelungen. Auf der Party war ich dann doch eindeutig fehl am Platz. Wirkte wie ein Treffen des VSStÖ und da pass ich dann irgendwie nicht dazu. Obwohl…ich war an dem Abend auffällig rot gekleidet. Eigentlich sehr unabsichtlich. Der Frühling kommt und ich wollte meine roten Accessoires mal wieder ausführen. Als ich dann aus der UBahn ausstieg und zur Veranstaltung ging, fiel mir ein, dass ich wie der Super-Fan wirken musste. War mir schon etwas peinlich.

susl goes red

Heinz Fischer ließ sich dann auch am Badeschiff blicken mit seiner Margit und die ging dann auch von Tisch zu Tisch und schüttelte jedem die Hand. Promi-Stalker der ich bin, hab ich mich gleich mit ihr ablichten lassen von Lena.

Margit Fischer & Sue Holzer

Der Noch-Präsident Fischer war auch hier umringt von viiiiiielen Kameras und zu diesem Zwecke setzte auch er sich zu einigen Tischen dazu. Auch zu unseren. Was ziemlich unangenehm war, weil die Journalisten um uns herum sich nicht gerade zimperlich verhielten. Aber das war nicht das Beängstigende daran. Schlimmer war, dass ich Heinz Fischer gegenüber saß und merkte, dass ich nur als Statist diene um Nähe zur jungen Generation zu zeigen! Reden konnte ich ohnehin nicht mit ihm, so umringt von den drängenden Journalisten und wegen der lauten Musik – die ihm übrigen nach Abgang von Heinz Fischer leiser wurde. Bäh…da fühlt man sich benutzt! Und was bekomm ich dafür? Grausliche Weißweinspritzer gratis. Bin anscheinend sehr billig zu haben. Ein Freund aus der Politik meint dann noch dazu, dass Politik eben so ist, aber der Heinz Fischer auch viel mit Personen einzeln spricht. Naja, das kann man jetzt glauben oder aber auch nicht. Ich weiß auch, dass Politik stark so funktioniert, aber ich war nicht darauf vorbereitet so plötzlich und ohne Vorwarnung instrumentalisiert zu werden.

Heinz Fischer

Dem Ganzen noch nicht genug, gerate ich auch noch in ein ORF Interview. Plötzlich steht die Kamera vor mir und die Reporterin will von mir wissen, warum ich hier bin und was ich zur Jugendkampagne sage. Normalerweise laufe ich in solchen Situationen schnellstens davon. Da ich jedoch selbst schon öfters Interviews vor laufender Kamera führen musste, weiß ich, wie froh man ist, wenn einem nicht alle gleich angsterfüllt aus dem Weg gehen. Ich doofer Menschenfreund. Und plötzlich höre ich mich schon in die Kamera plappern. Ich, die ich ursprünglich gar nicht hier sein wollte. Gott sei Dank habe ich keine Ahnung, wann und ob mein Statement ausgestrahlt wurde. Ich denke, meine Wortmeldung war auch nicht gerade weltbewegend.

Also, ihr seht. Völlig politisch mag ich mich hier noch immer nicht äußern, aber meine Eindrücke wollte ich dennoch niedergeschrieben haben. Vielleicht wollt ihr euch aber zur Präsidentschaftswahl äußern, dann nur zu, ich freu mich über Kommentare. Und wenn ihr am kleinen Stimmungsbarometer teilnehmt, wäre es auch fein.

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