Ich will bedient werden

Ich treffe mich gerne mit Freunden zum Plaudern in Wiens Lokalen. Die Auswahl ist meiner Meinung nach in Österreichs Hauptstadt sehr gut und groß. Für jeden ist etwas dabei. Was ich aber nicht mag, sind oftmals die Kellner in den Lokalen.

Erst letzte Woche konnte ich mit zwei Freundinnen nicht ins Sapa essen gehen, weil die Kellnerin uns anblaffte, dass die zwei Kinderwägen zu viel Platz wegnehmen würden anstatt Platz zu schaffen, der durchaus da gewesen wäre. Darum gingen wir nebenan ins Cafe Europa. Aber das ist ja leider auch so ein Hipster-Schuppen, wo das Servierpersonal meint, dass sie einfach nur möglichst träge dreinschauen müssen, um eine Daseins-Berechtigung zu haben. Der Tee zum bestellten Frühstück wurde erst nach einer Stunde und 3maliger Erinnerung gebracht. Auf die Bitte, ob man die Tür zu machen könnte, weil es zieht – schließlich haben wir Oktober und gerade mal 10 Grad – wurden die Augen verdreht.

Ähnlich tolles Service habe ich im Neni am Naschmarkt erlebt. Die Kellner werden wohl anhand ihres Coolness-Faktors ausgesucht, aber nicht danach, ob sie die Gäste auch bedienen können. Eine halbe Stunde in einem halbleeren Lokal, während der Kellner sich offensichtlich mit seinen Freunden unterhält, zu warten bis man überhaupt mal Getränke bestellen kann, das geht meiner Meinung nach nicht. Wir haben schon überlegt wieder zu gehen. Als wir dann schließlich doch bedient wurden, nachdem wir uns mehrmals bemerkbar gemacht haben, war unser Servicemann mehr als unfreundlich.

Ich weiß, dass Kellner zu sein, nicht immer spaßig ist. Aber wenn man nicht freundlich zu seinen Gästen sein – auch wenn einem danach nicht zu Mute ist, aber that’s the job – und den Überblick behalten kann, dann sollte man es bitte einfach lassen.

Ein großes Lob im Gegensatz dazu, geht von mir an die Servicecrew im Motto am Fluß. Top professionell, schnelles Service und super Beratung, wenn man sich mal nicht entscheiden kann, was man heute essen sollte. Nur so als Gegenbeispiel, damit es nicht heißt, ich grantel hier nur. :)

Was sind eure liebsten Erlebnisse mit Kellnern?

Foto by Wieselhead

Wenn dir dieser Artikel gefällt, wäre dieser auch was für dich: Geh weg mit deinem Burger!

10 Kommentare

  1. Also die besten Kellner der Stadt dort wo sich einfach jmnd um sein Geschäft kümmert..Figlmüller, Motto, etc.: da ist jmnd dauernd dahinter für den Erfolg und kümmert sich um Verbesserung. Ich glaube viele Kellner wären mehr motiviert & aufmerksamer, wenn da auch ein Chef dahinter wäre der sich um ihr wohl kümmert. Also würde das nicht an den Kellner aufhängen- jeder der mal gekellnert hat weiß, dass es da noch mehr als sonst ums Team geht..und selten glauben Lokalbesitzer dass sie etwas verbessern müssen, wenn ihre Kassen eh voll sind obwohl Essen, Location, Service & Co Mittelmaß ist und die Leute einfach nur beschlossen haben, dass es “in” ist….(manchmal schon vor mehr als 5 Jahren wo es noch gut war und dann sitzen sie 5 Jahre später noch immer da, obwohl es nicht mehr vergleichbar ist…) oder einfach zu faul sind was neues zu probieren…

  2. Ich schließ mich der Meinung oben an: wenn ein Chef dahinter steht, der sagt, was er sich erwartet, dann funktionierts. Im Motto bin ich auch immer wieder überrascht, das man sogar angelächelt wird. Und das in Wien. ;-)

  3. …und wie ich mich in der kolumne wiederfinde!!!
    die (weltberuehmten?) grantelnden wiener kellner moegen zwar als einmalige touristenattraktion ihren reiz haben, aber wenn man diese warmherzige behandlung nahezu täglich “genießen” darf, kann einem das schon ziemlich auf den a…. gehen!
    nach dem motto: “…bitte entschuldigen sie, aber ich wollte einfach nur was bestellen und ihnen damit den job sichern!”

  4. @viktoria und dani: absolut. wenn die chefs dahinter klar machen, das so ein verhalten nicht toleriert wird, wird das auch auf die servicequalität einfluss haben. oftmals ist es aber egal, weil der laden eh auch so läuft. und beim anlächeln bin ich auch immer wieder überrascht. :)

    @elisabeth tja, so kann es gehen wenn man sich mit mir trifft. :) dabei hab ich die caffee latte erlebnisse hier weggelassen. :))

  5. du sprichst mir aus der seele! irgendwie scheint es ganz und gebe geworden zu sein, uninteressiert und unhöflich zu den gästen zu sein. man darf froh sein bedient zu werden – so kommt mir das manchmal vor. natürlich ist es nicht immer der tollste job und viele machen ihn wohl aus mangel aus alternativen – aber ganz ehrlich, es geht um dienstleistung und um ein bisschen motivation muss man sich halt bemühen (tun wir doch alle dann und wann, oder?). ich hab selbst mal gekellnert und natürlich gibt es auch jede menge unfreundliche gäste, nervige kollegen, mühsame chefs usw. – alles dinge, die den job nicht einfacher machen. aber es ist auch erstaunlich, wieviel gutes feedback man bekommt, wenn man bemüht und freundlich ist – und ich spreche nicht nur von gutem trinkgeld.
    also, ich bin ganz deiner meinung: wenn man es nicht kann/mag, dann sollte man es bitte bleiben lassen.

  6. kenn ich so nicht. ich lass mich aber auch nicht so frotzeln. konnte ich nach 10 minuten nicht bestellen, geh ich. ist wer unhöflich, gibt’s kein trinkgeld. bei der vorgesetzten musste ich mich noch nie beschweren, würde ich aber sofort machen, wenn es mir gerechtfertigt vorkommen würde …

    ich bin aber halt auch unkompliziert: ich warte wenn es sein muss und es dafür dann prompt geht, ich reg mich nicht wegen jeder kleinigkeit auf, und bemühe mich immer freundlich zu sein (bitte, danke, blickkontakt).

    den typus grantigen kellner habe ich in wien bisher nur im sperl in form einer etwas älteren dame getroffen, und sogar da ging es prompt und freundlich, wenn man die dame richtig angepackt hat. (war bei einem twittagessen)

  7. Manchmal hab ich das Gefühl, je weniger im Lokal los ist, umso schwerer fällt es den Kellnern sich aufzuraffen, um einen halbwegs anständig zu bedienen. Die Krönung war ein Besuch im Latte Grande, wo ich mit fünf Kollegen zu Mittag gegessen habe. Wir bekamen zwar Getränke, das Glas Leitungswasser allerdings erst nach vier Anläufen, 30 Minuten später. Danach wurde ein Mittagessen vergessen, ein falsches gebracht und auf die Rechnung mussten wir weitere 12 Minuten warten. Es waren übrigens nur drei Tische besetzt. Der Kellner hatte eindeutig den falschen Job. Auf seine Umschulung wird er aber wohl noch eine Weile sparen müssen, Trinkgeld gab’s nämlich keines.

  8. @Sarah da hast du recht. Letztens auch im Tewa am Naschmarkt erlebt, das ich eigentlich sehr gern mag. Zur Rushhour Mittags hatten wir noch super Service. Gegen Nachmittag – wir sind etwas länger sitzen geblieben – wurden wir eigentlich kaum noch bedient. Und die Sache mit Leitungswasser in Lokalen: Ich hab immer das Gefühl, das bringen sie manchmal absichtlich so lange nicht.

    Dein Blog ist übrigens auch sehr interessant.

  9. Außer sie verrechnen was fürs Leitungswasser, dann steht es immer prompt auf dem Tisch. Umso mehr genieß ich Besuche in Lokalen wie dem 1070 am Spittelberg, wo einem eine Karaffe mit Wasser und ein Korb mit frisch gebackenem Brot zur Begrüßung aufgetischt und über den Abend hinweg unaufgefordert aufgefüllt werden.

    Dankeschön. Freut mich, dass dir mein Blog gefällt. Ich bin erst heute auf deinen gestoßen, werde mich aber auf jeden Fall noch durchlesen.

Was sagst du dazu?

Your email address will not be published. Required fields are marked *