Im Käfig mit einer 12-Jährigen

Wie macht man einen eher mittelmäßigen Song zu einem Hit? Man macht etwas, das von der Musik ablenkt. Wie eben ein Musikvideo, das provozieren könnte. Ja, diese Strategie hat man schon oft gesehen. Sex sells und darum darf damit auch gerne die Provokation hervorgerufen werden. Nur sind wir 2015 schon sehr abgestumpft was sexuell aufgeladenes Bildmaterial angeht, hat uns doch 2013 schon ein Song, der auch “rapey” sein könnte, nicht besonders aufgeregt, sondern Dauerbeschallung gebracht. Was ist schockierender als angedeutete Vergewaltigung? Richtig: Pädophilie.

Damit spielte Sia schon gekonnt im Video zu “Chandelier“, denn warum steckt man sonst ein Mädchen (das großartig eine noch großartigere Choreographie tanzt) in eine Outfit, das bei nicht genauerem Hinsehen vermittelt, dass die Kleine nackt sein könnte. Hier war zumindest der Song auch stark. Bei dem kürzlich veröffentlichten Video zu “Elastic Heart” geht die Künstlerin noch mal einen Schritt weiter und die kleine Tänzerin darf mit Shia LeBeouf in den Käfig, um eine animalische Geschichte zu erzählen. Er nur im knappen Höschen, sie wieder im gewagten Hautton-Body. Der Song dazu ist schwach. Die Aufregung dafür umso größer.

Meine bescheidene Meinung? So wie der Schelm denkt… Wie oversexed sind wir mittlerweile schon, dass ein kindlicher Körper – sei er nackt oder nicht – mit Erotik oder mehr in Verbindung gebracht wird? In dem Video erkenne ich eher eine künstlerische Vater-Tochter Szenarie als eine Lolita Verführung. Mit einer poetischen Tänzerin, deren Ausdrucksstärke durch ihr Alter noch mehr wirkt. Es gibt sicherlich erwachsene Frauen, die genau so gut, vielleicht sogar besser tanzen können. Aber die Energie, die dieses Mädchen transportiert, ist nicht nur in ihrem Tanz sondern auch in ihrem Gesichts- nein, Gesamtausdruck. Es entsteht eine Schere im Kopf und die fasziniert.

Sexueller Missbrauch an Kindern ist für mich eines der fürchterlichsten Verbrechen überhaupt. Punkt. Aber aus Angst vor dieser, müssen wir nicht den kindlichen nackten Körper oder “anzüglich” gekleideten mit oder ohne Interaktion mit einem Mann, der einfach nur einen nackten Oberkörper hat, unter Generalverdacht stellen. Das erinnert ja fast an die Rechtfertigung, warum Frauen verschleiert sein sollten, weil sie sonst zu aufreizend wären. Darüber den Kopf schütteln und sich gleichzeitig über dieses Video aufregen. Das passt nicht. Da hat man als Mutter ja bald Angst, den eigenen Sohn auf den Mund zu küssen.

Die Aufregung ist sicherlich beabsichtigt, aber dass sie funktioniert, ist schon ein bißchen traurig.

Eure Meinung zum Video? Yay or nay?

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4 Kommentare

  1. Ich finde es nicht sexualisiert. Und sie ist eine Hammer-Tänzerin/Performerin! Ein bisschen leid tut sie mir vielleicht, dass sie als Kind schon eine Profi-Karriere hat quasi..

    1. bzw. was ich sagen wollte: kinderarbeit ist nicht umsonst verboten, aber im show business machen das ja alle total freiwillig und aus purer freude und es ist gut für sie…

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