Marco Schreuder von den Grünen will meine Hilfe
sue, am 29. September 2010
Heute um 15:38 erreichte eine Email mit dem Betreff “Eine persönliche Bitte” meine Inbox. Der Betreff würde mich im Normalfall sofort dazu veranlassen die Email zu löschen, da so etwas oder ähnlich Formuliertes nur in Spam-Mails vorkommt. Aber dann sah ich doch noch als Absender Marco Schreuder, seines Zeichens Gemeinderat und Landtagsabgeordneter der Grünen Wien. Das machte mich dann doch neugierig genug, um mal nachzusehen, was mir der Herr Gemeinderate wohl schreiben mag.
Und was schreibt er?
Es ist mir fast ein bißchen peinlich das wieder zu geben, da es natürlich immer etwas doofes hat jemanden anzuschwärzen, aber da steht zum Beispiel folgendes:
Wir sind uns in den letzten Jahren, seit ich im Wiener Gemeinderat bin, real und/oder auf Facebook und im Sozial Web begegnet, bzw. hast Du meine Arbeit auf die eine oder andere Weise verfolgen können.
Wir sind uns im Social Web oder auf einem Sozialen Netzwerk begegnet. Im Sozial Web bin ich nie unterwegs. Real hatte ich noch nie die Freude. Ich persönlich habe daher eher ein Problem damit plötzlich per Email wie eine gute Freundin angesprochen zu werden, um in weitere Folge ein paar Dinge für Herrn Schreuder – oder soll ich lieber mein BFF Marco sagen? – zu tun.
Auch war ich nie für die Grüne Vorwahlen Initiative tätig oder habe mich dazu geäußert. Wie bin ich da bloß auf den Verteiler geraten? Weil ich einmal über den Heifi Wahlkampf geschrieben habe? Selbst in diesem Blogbeitrag habe ich erwähnt, dass ich eigentlich nicht zur österreichischen Politik blogge oder es zumindest vermeiden möchte. Zugegeben. Man könnte meinen, dass hier Ausnahmen möglich sind. Sind sie auch. Wie das schreibe ich am Ende des Artikels.
Was sind das für Dinge, um die ich gebeten werde?
Erstens soll ich ihm doch bitte meine Vorzugsstimme geben. Man beachte, dass ich gar nicht meinen Hauptwohnsitz in Wien gemeldet habe. Schon einmal eine Bitte ins Leere. Darum werde ich auch nicht an dieser schönen Wien Wahl teilnehmen. Auch eine Dame von einem Umfrageinstitut, die mich heute zur Wien Wahl befragen wollte, war ganz enttäuscht und hat sofort das Gespräch abgebrochen. Fühle mich fast schon wie ein Mensch zweiter Klasse während dieser aufregenden Zeit, da ich nicht “richtige” Wienerin bin.
Die Vorzugsstimme kann ich ihm nicht nur im sogenannten “Stadtwahlvorschlag” geben, sondern auch in der Spalte der Wahlkreise 1./4./5./6. sowie im 3. und im 15. Bezirk. Mist. Selbst wenn ich in Wien per Hauptwohnsitz gemeldet wäre, könnte ich ihm nur einmal meine Vorzugsstimme geben, da ich in keiner der genannten Bezirke wohne.
Marco und ich kennen uns wohl doch nicht so gut, sonst wüsste er das doch. Schade.
Ansonsten soll ich doch bitte alle meine Bekannte, Freunde und Familie für ihn aktivieren.
Missverständnis
Hier hat jemand den Begriff “Freund” auf Facebook zu wörtlich genommen, denke ich mir. Oder bin ich gar nur kontaktiert worden weil ich einen Blog habe? Wie war das mit den Milchmädchenbloggern? Oder hat Marco keine Freunde, dass er mich – ein loser Kontakt auf Facebook – für eine Freundin hält?
Mir ist dieser Blogbeitrag ja furchtbar unangenehm, da ich niemanden gerne öffentlich an den Pranger stelle. Aber hey, ich sollte doch alle möglichen Leute aktivieren und wie heißt es so schön: “There is no such thing as bad press.”
Dennoch möchte ich hier auch noch konstruktiv sein. Ich schätze es, dass der liebe Marco mich persönlich aktivieren wollte. Am Wochenende bei einer Familienfeier haben wir alle die Fragen auf wahlkabine.at durchgemacht und der Großteil der Anwesenden hatte mit großer Mehrheit die Grünen als beste persönliche Wahl als Ergebnis. Von der Zielgruppe her ist Schreudi – wie ich ihn gerne freundschaftlich nenne – also gar nicht so falsch bei mir.
Dennoch, das Email überrascht mich einfach nur und wirkt etwas patschert.
Sollte ich kontaktiert worden sein, weil ich tatsächlich als Freundin oder nette Twitterplauderantin gesehen werde, dann hätte ich mich auch über dementsprechenden Dialog auf diesen Plattformen gefreut. Einer einfachen Aufforderung “Please, retweet” als Direct Message auf Twitter zu einem seiner Blogbeiträge, wo er erklärt warum man ihn wählen sollte, hätte ich vielleicht sogar gemacht. Das eine oder andere Mal kommentieren auf einen meiner Statusmeldungen auf Facebook oder ein “Like” hätten mir auch ein bißchen mehr Verbundenheit gegeben, um mich für ihn einzusetzen. Aber ich weiß, das fehlt die Zeit für so etwas, besonders im Wahlkampf. Blöd. Auch keine Kommentare auf meinem Blog. Und trotzdem soll ich geben, aber was bekomme ich? Wohl keine Aufmerksamkeit von Marco. Vielleicht ja jetzt. Nicht, dass das reichen würde, um meine Unterstützung zu bekommen.
Sollte dieses Email jedoch an mich gerichtet worden sein, weil ich einen Blog habe, dann hätte ich mich über einen etwas sachlicheren Zugang gefreut. Vielleicht etwas Information aufbereitet, die ich für einen Blogbeitrag verwenden könnte zu einem Thema das zu mir passt. Ein bißchen Service für die guten alten Bloggerfreunde.
So aber kann ich nur das Fazit ziehen, dass ich es zwar einen netten Versuch finde, mich so vor der Wahl noch zu aktivieren, aber leider mehr schon nicht. Und wieder kommt das oft gehörte: “Da hätte ich mir von den Grünen mehr erwartet.” zum Einsatz.
ps: Lieber Marco Schreuder, entschuldige die teilweise etwas überspitzen Formulierungen. Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für die Wahl – deshalb gibt es sogar einen Backlink zu deinem Blogbeitrag, weshalb man dich wählen sollte.
Heinz Fischer for President?
sue, am 30. März 2010
Letzte Woche fand die Auftaktveranstaltung zu Heinz Fischers Kandidatur für das österreichische Präsidentschaftsamt statt. Dazu wurden auch Blogger eingeladen. Als man bemerkte, dass man hauptsächlich männliche Blogger in der Blogroll auf heifi2010.at und als Gäste hatte, gab es einen Aufruf für weibliche Bloggerinnen doch auch dabei zu sein. Ein Aufruf, der mir im ersten Moment egal war, denn 1. wollte ich nie zur österreichischen Politik bloggen und 2. wird man bei Besuch solcher Veranstaltungen sehr schnell darauf reduziert für alles dort Gesagte oder Getane zu sein. Aber soziale Beziehungen bedeuten dann doch mehr als anfängliche Bedenken und so konnte ich die persönliche Bitte, die an mich herangetragen wurde, dann doch nicht abschlagen. Und hey, vielleicht kommt ja was Interessantes dabei raus, dacht ich mir!
Go heifi!
Was kann ich euch nun davon berichten? Im Großen und Ganzen decken sich meine Eindrücke mit denen von der lieben Veronika. Der offizielle Teil im MAK war, nun ja, ein bißl fad für meine Wenigkeit, mit einer Brise Peinlichkeit. Ein Obama ist der heifi ja nicht gerade. Dass sich beim Einzug des Kandidaten die Journalistenmeute vor ihn wirft und kaum ein Durchkommen ist, wirkte eigenartig. Mir wäre ein weltmännischer Einzug mit Gattin lieber gewesen, wo vom Rand aus, die Journalisten ihre Bilder machen können. Inhaltlich setzt man auf Werte wie Gerechtigkeit. Aber eigentlich bleibt mir, insbesondere von der Rede des Bundeskanzlers Faymann, nur die sich immer und immer wiederholende Betonung auf die hohe Beliebtheit des Heinz Fischers in Erinnerung. “Er ist so beliebt, da hat er sicher alles richtig gemacht in den letzten 6 Jahren und das wird auch in einer weiteren Amtszeit so sein”, scheint mir die Schlussfolgerung der meisten Wortmeldungen zu sein.
Ich frage mich ja schon länger, wozu Österreich einen Präsidenten eigentlich braucht. Die theoretische Macht tatsächlich einzusetzen ist ja eigentlich ein No-Go. Hugo Portisch sieht das sogar an diesem Abend positiv und meint, dass die Rute im Fenster viel wichtiger ist. Naja, dem kann ich mich nicht ganz anschließen. Dennoch braucht eine Familie ein Oberhaupt – egal ob männlich oder weiblich. Und der Heinz, der ist schon so eine Vaterfigur. So ein gemütlicher. Fast eher eine Großvaterfigur. Daher gönne ich ihm – auch aus rein irrationalen Gründen – das Präsidentenamt. Hinzu kommt jedoch noch, dass die diesjährige Gegenkandidatin Barbara Rosenkranz, für mich absolut nicht wählbar ist. Darum hat der Heifi auch meine Unterstützung.
Übrigens, bei der Rosenkranz wird immer stark von den Sympathisanten thematisiert, dass sie ja so eine gute Mutter ist und dazu noch so erfolgreich. Hmm…wann ist so etwas jemals bei einem Mann wirklich relevant?
Hinein ins Politgetümmel
Ich war dann auch noch am Badeschiff, wo es eine heifi2010 Auftaktparty gab. Ich muss ja sagen, dass mir die Jugendkampagne ganz gut gefällt und auch die extra Webseite heifi2010.at finde ich recht gelungen. Auf der Party war ich dann doch eindeutig fehl am Platz. Wirkte wie ein Treffen des VSStÖ und da pass ich dann irgendwie nicht dazu. Obwohl…ich war an dem Abend auffällig rot gekleidet. Eigentlich sehr unabsichtlich. Der Frühling kommt und ich wollte meine roten Accessoires mal wieder ausführen. Als ich dann aus der UBahn ausstieg und zur Veranstaltung ging, fiel mir ein, dass ich wie der Super-Fan wirken musste. War mir schon etwas peinlich.

Heinz Fischer ließ sich dann auch am Badeschiff blicken mit seiner Margit und die ging dann auch von Tisch zu Tisch und schüttelte jedem die Hand. Promi-Stalker der ich bin, hab ich mich gleich mit ihr ablichten lassen von Lena.

Margit Fischer & Sue Holzer
Der Noch-Präsident Fischer war auch hier umringt von viiiiiielen Kameras und zu diesem Zwecke setzte auch er sich zu einigen Tischen dazu. Auch zu unseren. Was ziemlich unangenehm war, weil die Journalisten um uns herum sich nicht gerade zimperlich verhielten. Aber das war nicht das Beängstigende daran. Schlimmer war, dass ich Heinz Fischer gegenüber saß und merkte, dass ich nur als Statist diene um Nähe zur jungen Generation zu zeigen! Reden konnte ich ohnehin nicht mit ihm, so umringt von den drängenden Journalisten und wegen der lauten Musik – die ihm übrigen nach Abgang von Heinz Fischer leiser wurde. Bäh…da fühlt man sich benutzt! Und was bekomm ich dafür? Grausliche Weißweinspritzer gratis. Bin anscheinend sehr billig zu haben. Ein Freund aus der Politik meint dann noch dazu, dass Politik eben so ist, aber der Heinz Fischer auch viel mit Personen einzeln spricht. Naja, das kann man jetzt glauben oder aber auch nicht. Ich weiß auch, dass Politik stark so funktioniert, aber ich war nicht darauf vorbereitet so plötzlich und ohne Vorwarnung instrumentalisiert zu werden.

Dem Ganzen noch nicht genug, gerate ich auch noch in ein ORF Interview. Plötzlich steht die Kamera vor mir und die Reporterin will von mir wissen, warum ich hier bin und was ich zur Jugendkampagne sage. Normalerweise laufe ich in solchen Situationen schnellstens davon. Da ich jedoch selbst schon öfters Interviews vor laufender Kamera führen musste, weiß ich, wie froh man ist, wenn einem nicht alle gleich angsterfüllt aus dem Weg gehen. Ich doofer Menschenfreund. Und plötzlich höre ich mich schon in die Kamera plappern. Ich, die ich ursprünglich gar nicht hier sein wollte. Gott sei Dank habe ich keine Ahnung, wann und ob mein Statement ausgestrahlt wurde. Ich denke, meine Wortmeldung war auch nicht gerade weltbewegend.
Also, ihr seht. Völlig politisch mag ich mich hier noch immer nicht äußern, aber meine Eindrücke wollte ich dennoch niedergeschrieben haben. Vielleicht wollt ihr euch aber zur Präsidentschaftswahl äußern, dann nur zu, ich freu mich über Kommentare. Und wenn ihr am kleinen Stimmungsbarometer teilnehmt, wäre es auch fein.













