Wakeboarden in Wien

Ich probiere ja gerne neue Sachen aus. Komme aber viel weniger dazu, als ich mir wünschen würde. Das ist eigentlich nur eine Ausrede, denn die Zeit kann man sich schon irgendwie für alles nehmen, was man möchte. Für mich ist es daher sehr praktisch eine Freundin wie A. zu haben. Sie ist zwar so gut wie nie da, denn unter der Woche arbeitet sie an großartigen und spannenden Projekten in der ganzen Welt oder sie ist gerade irgendwo auf Urlaub ebenfalls irgendwo in einem anderen Land, denn sie kennt ja so gut wie überall jemanden, den es gilt zu besuchen oder sie ist am Wochenden, wenn sie einmal da ist schon völlig verplant mit Ausflügen und Verabredungen. Und wenn man mal zu den Verabredungen zählt, die sie gerade geplant hat, dann finden die meist nicht einfach nur im Kaffeehaus oder daheim gemütlich statt, sondern es wird so richtig etwas gemeinsam unternommen. Da zählt eine Yogaklasse genauso dazu (durch sie habe ich Bikram Yoga überhaupt erst ausprobiert, auch wenn ich dabei nie geblieben bin) wie Schwimmen gehen, Ausstellungen besuchen oder wie letzten Freitag Wakeboarden gehen.

Den Wakeboardlift an der Neuen Donau in Wien kannte ich schon lange von Hörensagen. Die Vorstellung das auch mal zu versuchen war verlockend. Kann ja nicht soooo schwer sein. Schließlich habe ich auch einen sehr guten Gleichgewichtssinn und stelle mich allgemein bei solchen Dingen nicht zu doof an. Einziger Nachteil, ich bin eher Skifahrerin als Snowboarderin. Die Brettstellung könnte also durchaus ungewohnt für mich sein. Aber Snowboarden konnte ich auch innerhalb eines Tages, auch wenn ich nie dabei geblieben bin, da werd ich das auch hoffentlich schnell behirnen. Nun ja, ihr könnt euch bereits denken, dass das Ganze dann doch nicht so einfach war.

 

Da kommt man hin und stellt fest, dass man es mit lauter Surferboys zu tun hat. Alle total zu cool für die Welt. Braun gebrannt, durchtrainiert – wo ist meine Sommerbräune plötzlich hinverschwunden? Und die wenigen Mädls, die in der Schlange beim Lift anstehen, scheinen auch alle Halbprofis zu sein. Und wenn ich mir ansehe wie vereinzelt gestandene Jungs nicht mal den Start schaffen, wird mir klar, dass es für mich problematisch werden könnte. Dabei hasse ich es vor vielen Augen zu versagen. Nur nicht entmutigen lassen, sag ich mir und bitte A. mir ein paar Tipps zu geben, die soetwas schon in Australien (wo sonst?) gemacht und auch schon Erfahrungen hier am Lift in Wien gesammelt hat. Sie sagt: “Den Start wirst du beim ersten Mal sicher nicht schaffen, aber das wird schon.” Sehr aufbauend. “Einfach nach hinten lehnen, Balance halten und nicht verkrampfen. Du machst das schon,” sind ihre weiteren Worte. Ok, ok. Locker bleiben. Wieso bin ich plötzlich nervös? Dann gehe ich eben gleich baden. Auch egal. Aber hoffentlich tut der Aufprall nicht weh.

 

So. Wir rücken weiter. Es ist Zeit sich das Board an die Füße zu schnallen. Da das mein erstes Mal ist, brauche ich dafür etwas länger, halte die Schlange auf und werde von den Liftwarten angeschnauzt. Na toll. Das auch noch. Das hilft nicht meine Nervosität zu besänftigen. A. hüpft mit dem Brett an mir vorbei und startet vor mir, damit etwas weitergeht. Dann bin ich an der Reihe. Der Liftboy sagt, in die Knie soll ich gehen. Noch tiefer. Und den Bügel ganz nah an die Hüfte halten und alles anspannen. Dann wird die Ampel grün. Zack. Weg bin ich. Nämlich unter Wasser. Ich glaube ich bin nicht einmal eine Hundertstel Sekunde gefahren. Aber hey, stürzen tut nicht weh. Gut zu wissen. Etwas gekränkt ist mein Ego zwar schon, aber für die Ehre probiere ich es noch mal und aufgeben tut man nur einen Brief – was für ein Spruch! :) Mit Brett retour ans Ufer zu schwimmen ist ein bißl mühsam, aber auch das wird besser von Mal zu Mal wie ich feststellen werde. A. kommt bis zur ersten Kurve. Eine gute Leistung.

 

Erneut in der Schlange am Lift. Eine Stunde dürfen wir fahren. In einer Stunde gehen sich bei der Masse an Wakeboardern 4 Starts für mich aus. Bei Start Nummer 2 passiert eigentlich das gleiche wie beim Ersten, aber ich hatte das Gefühl für mich herausgefunden zu haben, wie ich besser stehe und ich bin weniger verkrampft. Das meinten auch die Jungs vom Lift, die plötzlich doch nett zu mir sind und mich nicht anblaffen. Anscheinend hat man doch auch eine Berechtigung hier zu sein, wenn man kein Pro ist.

 

Bei Start Nummer 3 bin ich eine gefühlte Zehntel Sekunde gefahren bevor ich ins Wasser schleuderte. Ein Erfolg! Ok, dann soll es auch ein viertes Mal für mich geben. Ich kann das besser. Ich weiß das. Also kommt Start Nummer 4 und was soll ich euch sagen, ich bin gefahren! Jawohl! Ich bin über die Donau gegleitet, hab die Wellen genommen und habe erfahren wie toll sich das anfühlt…für ungefähr eine Sekunde. Dann ging’s wieder ab ins Wasser. Aber hey, es war eine gute Sekunde und es waren einige Meter. Damit umso weniger peinlich zu stürzen, denn wenigsten war es nicht sofort beim Start. Was für ein Erfolgserlebnis!

 

Danach wurde noch alles bei ein paar Bier mit Blick auf die verbleibenden Wakeboarder analysiert. Ein sehr schönes Plätzchen für den Sommer. Und jetzt ist Sonntag. Ich habe einen Mördermuskelkater (Bauch-, Schulterbereich) von lächerlichen 4 Starts und kann an nichts anderes denken, dass ich das unbedingt wieder machen muss. Wieso um Himmels Willen habe ich das noch nicht früher versucht? Jetzt ist der Sommer quasi schon vorbei. Zum verzweifeln. Mein Ego muss bis nächstes Jahr wohl warten. Dann wird ab Saisonstart trainiert. Das kann ich euch garantieren. Vielleicht mache ich dann wieder eine 30 Days Challenge daraus. In 30 Tagen eine Runde am Wakeboardlift schaffen. Ja, so machen wir das!