Veganes Haar: Der Selbsttest

Vor einigen Wochen wurde ich zur Präsentation der Haar- und Beauty-Pflegeprodukte von Rahua – gesprochen Rawa – eingeladen. Der extra aus New York angereiste rahua-Experte präsentierte die Produkte mit gekonntem amerikanischen Enthusiasmus, dass man ihm gleich das eigenen Haar anvertrauen möchte, sodass er es in Rahua Shampoo bade und zum Glänzen brächte. Ganz natürlich soll die Amazonas-Tinktur sein. Biologisch, glutenfrei und vegan obendrauf. Ja, richtig gelesen. Ihr dachtet, dass ihr bei eurer Ernährung auf all das achten solltet? Der heißeste Scheiß ist es anscheinend, es sich ins Haar zu tun. Denn es könnt ja sein, dass ein bißchen Schampöchen euch ins Mündchen läuft und dann soll das dann schon bitte glutenfrei – auch wenn ihr bei Weitem keine Zölliakie habt, aber hüfts nix, schadet’s nix – und vegan sein.

Ich bin ja eher der pure Chemie-Vertreter was meine Haarpflege angeht, um mein „natürliches“ *hüstel* Blond zum strahlen zu bringen. Soll heißen, ohne extra „Ich mach die Haare kämmbar“-Shampoo bzw. -Conditioner, gleicht das Kämmen nach der Haarwäsche einer Folter.  Zugegeben, ein bißl sehr trocken ist das Haar dann allemal. Der sehr überzeugende Herr aus New York meinte, dass diese ganzen Inhaltsstoffe der Normalo-Shampoos aber ganz böse sind und das Haar sich wie ein Junkie verhält. Es muss erst einmal entwöhnt werden und dann ist das auch mit den natürlichen Pflegeprodukten kein Problem mehr. Ach, was sag ich: viel, viel besser ist es dann.

Jetzt ist ja gerade Fastenzeit und da ich aus fasten-technischer Sicht sowieso immer ein Totalversager, weil viel zu sehr Genussmensch bin (hey, ich hab ein Kind auf die Welt gebracht und daher ohnehin schon viel zu lange auf Alkohol verzichtet), dachte ich mir, ich setze meine Haare auf Diät, denn die können sich am wenigsten in Form von Gelüsten wehren.

Gleich vorweg: Für 40 Tage haben die Rahua-Probefläschchen nicht gehalten, aber zum Selbsttest für veganes Haar reichte es. Hier also mein Urteil:

Veganes Haar

Veganes, glutenfreies Haar fühlt sich schwerer an und glänzt mehr. Die Kämmbarkeit war dank passendem Conditioner der Pflegeserie weniger ein Problem als gedacht, wenn auch nicht vergleichbar mit den herkömmlichen Produkten, die ich im Normalfall verwende. Erwischt man zuviel des Shampoos bzw. der Pflege wird das Haar viel zu schwer und wirkt extrem fettig. Insgesamt war ich aber durchaus positiv überrascht, dass ich nicht nach einem Tag gleich aufgegeben habe. Der große Minuspunkt, der mich schließlich wieder rückfällig werden ließ, war der Geruch der Haare. Das vegane Haar begann nach veganem Haar zu riechen. Ja, ich hab da vielleicht so meine Vorurteile gegenüber dem klassischen Veganer. Irgendwie abgestanden, ranzig, ungepflegt. Ein absolutes No-Go, meiner Meinung nach.

Meine Haare sind jetzt also wieder auf Chemie-Keule unterwegs. Die erste Waschung fühlte sich an, wie ein Ex-Junkie, der sich wieder seine gewohnte Dosis reinzieht. Der Schaum! Der Duft! Aaaah!

Ein bißchen fühle ich mich zwar wie ein Drogendealer, der in absolutem Bewusstsein seine Klientel in den Drogenrausch schickt, doch wie heißt es so schön: live fast, die young. Und die Haare, sind eh schon tot.

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4 Kommentare

  1. Bin gerade durch Zufall auf deinen Blog gekommen und hab mich sehr über deinen Eintrag amüsiert – tja, “vegane” Haare können schon so eine Sache sein ;) Ich persönlich lass schon seit Jahren die Finger von den ganz argen Chemiekeulen und kann dir sagen, es gibt auch sanftere Alternativen die richtig, richtig gut riechen (Honig, Kokos, Vanille!). Was das glutenfrei betrifft, wurde mir mal erklärt, dass er hier gar nicht ums verschlucken geht, sondern eher darum, dass manche Leute bei Hautkontakt mit Gluten mit Juckreiz/Ausschlag reagieren. Natürlich ist momentan aber auch ganz viel “Trend” dahinter, dass plötzlich jedes zweite Pflegeprodukt als glutenfrei, tierfrei, chemiefrei, alles-frei angepriesen wird…

    1. Hallo Kat, du hast sicherlich recht. und natürlich habe ich absichtlich überspitzt formuliert. ich sag auch nicht, dass ich langfristig auf chemiekeulen setzen werde, aber jetzt freue ich mich gerade noch über mein duftendes chemie-haar ;-)

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